Kammerchor Zürcher Unterland ..... Presseberichte |
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<< zurück zur Presse - Übersicht Pressestimmen zur Musicaloper Circomondo 2001Neues Bülacher Tagblatt — Neue Zürcher Zeitung — Der Landbote Neues Bülacher Tagblatt — 18. Juni 2001
«Der Zirkus muss weiterleben»Grosser Beifall für Uraufführung der Musicaloper «Circomondo» in BülachFür den 60-köpfigen, seit 1965 bestehenden gemischten Kammerchor Zürcher Unterland stand das vergangene Wochenende ganz im Zeichen der mit einiger Spannung erwarteten Uraufführung der imposanten Musicaloper «Circomondo» von Paul Steinmann (Autor) und Claus-Dieter Zimmer (Komponist) in der geräumigen Bülacher Stadthalle.Zu den beiden wohlgelungenen anspruchsvollen Darbietungen fanden sich am Freitag rund 600 und am Samstag über 400 Besucherinnen und Besucher aus nah und fern im Bezirkshauptort ein. Nachdem sich der renommierte Chor vor zehn Jahren mit dem Erfolgsstück «Carmina Burana» von Carl Orff erstmals an eine wohlgelungene szenische Aufführung wagte, hat der Gedanke zu einer neuen moderneren Musical-Produktion den Vorstand immer wieder beschäftigt. Mit dem neu für die Konzertsaison 2001 realisierten Werk hofft man nun, eine hervorragende Verbindung zwischen klassischer und gehobener Unterhaltungsmusik in Richtung zur «leichten Muse» gefunden zu haben. Dank bester Zusammenarbeit konnte Direktor Beat Raaflaub (Basel) mit dem professionellen Kammerensemble «Camerata variabile Basel» ein Instrumental-Orchester verpflichten, deren 13 Musikerinnen und Musiker auf Grund ihrer langjährigen Erfahrung und Besetzung, darunter sieben Schlagwerke mit Drums, Vibraphon, Marimbaphon oder Xylophon, die ideale Voraussetzung für die stets von einem leichten Rhythmus getragene Musicaloper «Circomondo» mitbrachten. 149 spannungsvolle MinutenDas am Sonntag — allerdings ohne Publikum — für eine Doppel-CD-Produktion eingespielte Musical spielt in der grossen Zirkus-Welt und verspricht auch nach den weiteren konzertanten Aufführungen am kommenden Donnerstag, 21. Juni, und Samstag, 23. Juni, jeweils 20 Uhr in der Aula Rämibühl in Zürich, sowie am Sonntag, 24. Juni, bereits ab 17 Uhr in der «Mittenza» in Muttenz (Basel) zu einem gesanglich, musikalischen wie künstlerischen Erfolg zu werden. Allein schon die intensive Probezeit bedeutete für alle Frauen wie Männer des hochmotivierten Chors eine starke Herausforderung, wo neben den reinen Gesangspartien auch noch zahlreiche Sprechrollen, gepaart mit szenischer Mimik und verschiedenen Rollenwechsel, erarbeitet werden mussten. Dazu kamen die in eigener Regie geschaffenen Zirkuskulissen und auch die im Saal zusätzlich installierten Scheinwerfer plus weitere erforderliche Elektronik. Das alles benötigte verschiedene Mitwirkende auch hinter den Kulissen. Letztendlich eine LiebesgeschichteDer Ruf nach einem grossen Zirkus und beste Unterhaltung zum Auftakt rief neben den ganz in Schwarz gekleideten Sängern in den wichtigsten Hauptrollen auch noch drei professionelle Solisten ins Rampenlicht, was im Hintergrund auch immer wieder für reizvolle visuell bereichernde Schattenspiele sorgte. So gab die stimmlich glänzend disponierte Sopranistin Valera Enz-Dudas auch noch eine tänzerische Ballerina ab. Felix Rienth (Tenor) spielte den in sie verliebten Clown, während sein hochgewachsener Konkurrent in der Person von Zirkusdirektor Richard Ackermann (Bass-Stimme) sich gleichfalls in einer bestens auf ihn zugeschnittenen Hauptrolle plus zwei Assistenten zu bewegen und zu sprechen vermochte. Das alles ergab immer wieder dramatische und bewegende Momente, die vom hoch konzentriert wirkenden Kammerorchester in allen wichtigen Phasen und Abläufen auf das subtilste untermalt wurden. Dass sich nach diversen Intermezzi, unter anderem durch drei weibliche Sprechrollen provoziert, das Rollenspiel der drei Hauptakteure wiederholt zuspitzte, lag auf der Hand und beinhaltete auch durch die seiltanzende Ballerina eine gewisse Dramatik, welche zu einem im letzten Moment durch den Clown verhinderten Absturz das verliebte Paar endlich zusammenführte. Obwohl der Zirkusdirektor als vermeintlicher Verlierer ob dieses glücklichen «Happy-End» zurückblieb, obsiegte schlussendlich die Losung «Der Zirkus muss weiterleben» oder amerikanisch vereinfachend «The show must go on!» vg Neue Zürcher Zeitung / Zürcher Kultur — Montag, 18.06.2001«Wir wollen einen Zirkus»Uraufführung der «Musicaloper Circomondo» in BülachDer Salto mortale der Hochseiltänzerin misslingt, sie stürzt ab — und landet in den Armen des Clowns. Der gestrenge Zirkusdirektor will eine Wiederholung des Sprungs, die Tänzerin und der Clown fordern «Liebe und Freiheit» und verlassen den Zirkus. Diese Szene ist Höhe- und Schlusspunkt der am Freitag in Bülach uraufgeführten und am Samstag wiederholten «Musicaloper Circomondo». Das Werk (Text: Paul Steinmann; Musik: Claus-Dieter Zimmer) entstand im Auftrag des Kammerchors Zürcher Unterland, dem in dem Stück sowohl gesanglich wie auch szenisch die führende Rolle zukommt. Das Libretto lehnt deutlich an die Genesis an: Aus der Dunkelheit zum Licht, aus dem Nichts zur Zeit. Dann der Ruf des Chors: «Wir wollen einen Zirkus.» Der Zirkusdirektor (Richard Ackermann, Bass) erscheint, erschafft den Clown (Felix Rienth, Tenor) und schliesslich die Ballerina (Valeria Enz, Sopran). Ein dreiköpfiges überirdisches Wesen, mit schrillen Stimmen gesprochen von Carolyn Rast, Madeleine Schmid und Rahel Simone, treibt die Handlung voran und bringt klangliche Akzente. Unter der Leitung von Beat Raaflaub überzeugt der Kammerchor Zürcher Unterland durch seinen ausgewogenen Klang, ausgezeichnete Intonation und eine deutliche und präzise Diktion im Sprechgesang. Der Chor ist auch physisch gefordert, Mitglieder tanzen Solos, machen Handstand, sind Tiere in der Manege, watschelnde Pinguine und geschmeidige Raubkatzen. Für die originellen szenischen Einwürfe sorgt die Regie von Karin Wirth und Jan Weissenfels. Wer befürchtete, die Besetzung des Orchesters mit sieben Schlagzeugen, Klavier, Elektrobass und Streichquartett bedeute für die Ohren einige Strapazen, sieht sich getäuscht. Die Tonalität dominiert, lautmalerische Einwürfe, symphonische Klänge, Latin-Rhythmen, Blues-Elemente und schlichte Barcarole-Melodien lösen sich ab. Das Weglassen der häufigen repetitiven Elemente und eine Straffung der Handlung wären für das Stück allerdings ein Gewinn. Die Aufführung bereitete den beteiligten Musikern wie auch dem Publikum dennoch sichtlich Vergnügen. Weitere Konzerte: Zürich, Aula Rämibühl, 21. und 23. Juni. Barblina Töndury Der Landbote — 18. Juni 2001BÜLACH: URAUFFÜHRUNG DER MUSICALOPER «CIRCOMONDO» DES KAMMMERCHORS ZÜRCHER UNTERLANDVom Wunsch nach einem Leben ohne LangeweileDie bei Licht wenig einladende Bülacher Stadthalle hat sich in eine stimmungsvolle, brodelnde Zirkusmanege verwandelt. Der Kammerchor Zürcher Unterland hat mit einer mulitkulturellen Eigenproduktion entzückt.Die kühle Stadthalle wirkt innert Sekunden wie verwandelt: Keine kahlen Seitenwände, keine Stahlrohrgerüste und unendlich ferne Deckengetäfer mehr. Nur noch Dunkelheit, schemenhafte, schwarze Gestalten, die von den linken und rechten Seitengängen aus im Wechsel ihre Sprechgesänge artikulieren, als würde jemand dauernd am «Balance»-Knopf drehen. Begleitet und verbunden werden sie vom ungewöhnlichen Orchester direkt vor der Bühne: Klavier, zwei Violinen, eine Viola, ein Violoncello, ein Elektrobass und — sieben Schlagzeuge. Beat Raaflaub dirigiert seit 22 Jahren, für diese Musicaloper sowohl die Sängerinnen und Sänger wie das Kammerensemble «Camerata Variabile Basel». Gefühl und Romantik in der ManegeEin Zirkus soll Leben ins Leben bringen. «Wir wollen einen Zirkus mit allem Drum und Dran», da sind sich alle einig, nur mit der Leitung haben sie ein Problem. Niemand will sie übernehmen. «Ohne Boss ist nichts los.» Der Regiestuhl wird erst nach chaotischen Szenen vom Direktor (Richard Ackermann, Bass) eingenommen. Der hilft zwar, nützt aber sogleich seine neu gewonnene Macht aus und wird alsbald Herr über alles. Nacheinander baut er Tiere (Mitglieder des Chors), die Ballerina (Valeria Enz-Dudas, Sopran) und den Clown (Felix Rienth, Tenor) in sein Programm ein, wobei er von «den Dreien» (Sprechrollen Carolyn Rast, Madeleine Schmid, Rahel Simone), ominösen und götterhaften Frauengestalten, deren Zahl bis zum Schluss unklar bleibt, beraten wird. Der Direktor liebt und lebt zwar den Erfolg und die Macht, taucht aber immer wieder in depressive Verstimmung, aus der er nur von eben seinen Beraterinnen wieder herausgeholt werden kann. Dass sich Clown und Ballerina auf den ersten Blick verlieben, passt wunderbar ins Zirkuszelt, dem Boss aber überhaupt nicht. Er will diese Liebe verbieten, was ihm deshalb nicht gelingt, weil das romantisch verklärte Paar beim Zirkusvolk Sympathien hat und schliesslich dort unterschlüpft. Viel Gefühl und Romantik also im Sägemehl der Manege, in dieser Parabel über den Wert von Unterhaltung und Nervenkitzel, aber auch über die Macht und Ohnmacht der Liebe und der Sehnsucht im täglichen Leben. Der Zuschauer weiss bald nicht mehr, ob er nur Betrachter ist oder zum Zirkusvolk gehört. Sogar der hünenhafte, attraktive Boss zeigt neben einer harten und kompromisslosen auch eine weichere Seite. Parallelen zum knallharten Wirtschaftsmanager, der heute den Politikern in den Schlagzeilen der Medien den Rang abläuft, sind nicht zufällig. Der traurige Clown hat es etwas leichter, ihn kennt eh jeder, und die Ballerina kann nicht süss genug sein. Indem der Clown in einer hitchcockmässigen, akustisch wohl, optisch aber nicht ganz überzeugenden Schlussszene seine Geliebte vom Sturz in den Tod bewahrt, kann die Liebe bestehen. Die Vorstellung ist damit zu Ende, ziemlich brüsk, und zwar in der Zirkusmanege wie auf der Bühne der Stadthalle. Wie lange es dauern wird, bis die Langeweile da wie dort schon wieder zuschlägt, bleibt dahingestellt. Die Mitglieder des Chors, von wenigen Farbtupfern abgesehen zumeist ganz in Schwarz, erzielen mit relativ wenig Bewegung, kleinen Gesten wie Kopfdrehen oder symbolischem Händeklatschen verblüffende Wirkungen. Der Chor lässt es sich nicht nehmen, sogar über das Finale hinaus den verdienten Schlussapplaus mit zittrig winkenden Händen zu unterstützen. Voluminöser ChorFrappant ist jedoch der sich zwischen Kantate und Musicalsong frei bewegende, präzise und in der akustisch überraschend tauglichen Halle voluminöse Chorgesang, der die ganze Fabel neben und mit den Einlagen der drei Solisten mitträgt. Für die Regie zeichnen Karin Wirth und Jan Weissenfels gemeinsam verantwortlich, das Libretto stammt vom Winterthurer Paul Steinmann. Die Musik (Komponist: Claus-Dieter Zimmer) ist von so vielen Einflüssen geprägt, wie der Zirkus ja auch immer international ist. Mal spazieren die Finger des Pianisten in Jazzmanier zum Bass über die Tasten, mal wähnt sich das Publikum in der Rock-Oper. Die vielen Rhythmus-Instrumente liefern darüber hinaus ein trendiges Latinofeeling, und alles ist hausgemacht, vom Kammerchor selber oder in seinem Auftrag. Kein Wunder, will der Chor nach den noch folgenden drei Aufführungen in Zürich und Muttenz, versuchen, den Stoff weiterzuverwenden. Weitere Vorstellungen am Donnerstag, 21. 6. 2001 und am Samstag, 23. 6. 2001 (20 Uhr, Aula Rämibühl, Zürich) sowie am Sonntag, 24. 6. 2001 (17 Uhr, Mittenza, Muttenz). Koni Ulrich |