Kammerchor Zürcher Unterland  .....   Presseberichte

Pressestimmen zum Konzert im Juni 2002

Neues Bülacher Tagblatt — 5. Juni 2002

Beat Raaflaub dirigierte selten gehörte Werke von F. T. Fröhlich und J. S. Bach

Glänzende Kirchenkonzerte des Kammerchors Zürcher Unterland

Schaffhausen/Zürich — Mit zwei anspruchsvollen Aufführungen der weniger bekannten und selten gespielten «Missa I» des Schweizer Komponisten Friedrich Theodor Fröhlich und der «Messe 1733» des noch wesentlich berühmteren deutschen Altmeisters Johann Sebastian Bach stellte der hochmotivierte Kammerchor Zürcher Unterland am Wochenende sein grosses Können einmal mehr überaus erfolgreich unter Beweis.

Konzertfoto
Beat Raaflaub dirigierte den Kammerchor Zürcher Unterland und das Orchester Capriccio Basel in der Predigerkirche in Zürich. (Bild: sg)

Dank der langjährigen und zielstrebigen musikalischen Direktion von Beat Raaflaub hat der 78-köpfige Kammerchor Zürcher Unterland in der jüngeren Zeit ein derart hohes künstlerisches Niveau erreicht, dass inzwischen sogar vier wohlgelungene CD-Eigenproduktionen mit zwei Oratorien, einer Musical-Oper und einem A-Cappella-Konzert realisiert werden konnten. Weil von den am Samstag in der Kirche St. Johann und am Sonntag in der Predigerkirche Zürich aufgeführten Werken keine aktuellen Tonträger mehr existieren, entschloss man sich für eine Neuvertonung dieser doch höchst reizvollen sakralen Messen, welche zeitlich zwischen Barock und der Frühromantik angesiedelt sind. In der akustisch genügsamen Kirche St. Johann finden übrigens in einem dreijährigen Zyklus jeweils auch die renommierten Schaffhauser Bach-Konzerte statt.

Pastoralmesse «Missa I» zum Auftakt

Die 1828 vom aargauischen Komponisten und Orchesterleiter Friedrich Theodor Fröhlich (1803-1836) noch während seiner Studienzeit in Berlin verfasste und ursprünglich für Weihnachten vorgesehene «Missa I» weist satztechnisch häufig stark polyphon gearbeitete Abschnitte aus, was von einem eingehenden Studium der alten deutschen Musik, insbesondere von Bach und Händel, zeugt. Nach der orchestralen Einleitung durch das professionell glänzend disponierte Orchester Capriccio Basel debütierten der Kyrie «Herr, erbarme dich» als erste zugezogene Solistinnen gleich Dorothea Frey (Sopran) und Sabine Czinczel (Alt) in einem homogenen Unisono-Part. Das anschliessende Gloria beinhaltete lobpreisend einen längeren Frauen- und Männerchorsatz und auch im folgenden Credo gab es zahlreiche klangvolle Stellen zwischen den kontrastierenden 25 Sopran- und 26 Altstimmen der Frauen sowie den 12 Tenören und 15 Bässen der Männer zu geniessen. Nach einem emotionalen Sopran- und Alt-Solo kommen auch noch die übrigen männlichen Profi-Solisten — Christophe Einhorn (Tenor) und Markus Volpert (Bass) hinreichend zum Zuge. Nach dem chorlastigen Sanctus erfolgten mit den Sätzen Benedictus und Agnus Dei bis zum Finale mit «Lamm Gottes, das du trägst die Sünden der Welt, erbarme dich unser!» noch weitere solistische wie orchestrale Steigerungen, wo vor allem auch noch Bläser und Pauken deutliche Akzente setzten und der lange Applaus für die insgesamt 118 voll engagierten Akteure wohlverdient war.

«Messe 1733» von J. S. Bach als Höhepunkt

Eine zusätzliche Steigerung brachte im zweiten Konzertteil die 1733 von Johann Sebastian Bach (1685-1750) dem sächsischen Kurfürsten gewidmete «Messe 1733», mit der er sich um den Titel eines sächsischen Hofkomponisten bewarb. Dieses anspruchsvolle Werk war nach den Texten für Kyrie und Gloria noch in den letzten Lebensjahren von J. S. Bach zur vollständigen, protestantischen h-moll Messe erweitert worden. Basierend auf dem schwerelos dahinfliessenden Grundrhythmus und immer wieder gepaart mit virtuosen Bläsersolisten auf den Hörnern, Barocktrompeten, Oboen und Fagotten, liessen auch zwei brillante Flöten-Solistinnen förmlich aufhorchen. In den feineren und subtiler herausgearbeiteten Streicherpartien mit Konzertmeister Dominik Kiefer als erster Violinist kamen auch wiederum vermehrt die besinnlichen bis ergreifenden sakralen Textteile voll zum Tragen. Im Lobgesang der himmlischen Heerscharen wechselten sich nun in Folge mit einer Ausnahme die Chöre und Arien der vier involvierten Spitzensolisten vom Sopran bis Alt und vom Tenor bis Bass regelmässig ab. In der sicheren Dosierung sowohl der hohen Frauen- und tieferen Männerstimmen zusammen mit dem voluminösen Gesamtklang des exzellenten Orchesters Capriccio Basel manifestierte sich auch das grossartige und voll überzeugende Können von Chorleiter Beat Raaflaub, der sich auch als ein Meister in der Handhabung von spannungsvoller Dynamik und unüberhörbar melodischen Klangbildern entpuppte.

Gustav Sigg