Kammerchor Zürcher Unterland  .....   Presseberichte

Pressestimmen zum Konzert im November 2001

Neues Bülacher Tagblatt — 29. November 2001

«Ein Deutsches Requiem» in Bülach aufgeführt

Kammerchor Zürcher Unterland begeisterte in der katholischen Kirche Bülach
Bülach — Mit der Aufführung des berühmten Requiems von Johannes Brahms durch den stimmgewaltigen Kammerchor Zürcher Unterland wurde das anstehende Jubiläumsjahr «100 Jahre Dreifaltigkeitskirche Bülach» am Wochenende feierlich eröffnet.

Konzertfoto
Der Kammerchor Zürcher Unterland begeisterte in der katholischen Kirche Bülach mit der Aufführung des berühmten Requiems von Johannes Brahms. (Bild: Bernie Bernhard)

Mit einem anspruchsvollen Konzertabend im vollbesetzten Gotteshaus wurde am 23. November ein erster würdiger Höhepunkt zu den Feierlichkeiten der Katholischen Kirchgemeinde Bülach gesetzt. Ein Requiem hält die lebende Gemeinde üblicherweise als Gebet für einen verstorbenen Mitmenschen. Mit dem vorliegenden, in der Mitte der 1860-er Jahre geschaffenen siebensätzigen Werk wollte Johannes Brahms (1833-1897) den Lebenden Mut machen in der nötigen Trauer, ja sogar Zuversicht aufklingen lassen. Der gesanglich glänzend disponierte 75-köpfige gemischte Kammerchor Zürcher Unterland mit seinen herrlichen 25 Sopran- und 26 Alt-Stimmen bei den Frauen, sowie den jeweils 12 Tenor- und Bass-Stimmen bei den Männern, eröffnete mit dem besinnlichen Satz «Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden». Auch die weiteren Sätze wie «Denn alles Fleisch es ist wie Gras und alle Herrlichkeit des Menschen wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorret und die Blume abgefallen» künden von der Vergänglichkeit alles Lebens, zeigen aber auch einen sinngebenden Zusammenhang von Leben und Tod auf. Der von Beat Raaflaub ebenso souverän wie sicher dirigierte Chor verstand es makellos, den helleren Tonarten durch die höheren Frauenstimmen einerseits, wie aber auch den dunkleren Tonarten durch die tieferen Männerstimmen andererseits, voll Rechnung zu tragen.

Auch exzellente Solisten und subtile Begleitung

Im Gegensatz zur ursprünglichen Fassung des «Deutschen Requiem» mit zum Teil instrumental-sinfonischer Begleitung, da und dort zusätzlich noch durch eine Orgel verstärkt, hatte der erfahrene und langjährige Chorleiter für dieses nicht weniger anspruchsvolle Konzert die weniger bekannte, sogenannte «englische Fassung» gewählt. Johannes Brahms hatte nämlich einige Jahre später an Stelle der grossorchestralen Begleitung noch eine etwas bescheiderene Art von Begleitung auf der Basis von Chor, Soli und vierhändigem Klavier geschrieben, welche in dieser nicht weniger reizvollen und sicherlich noch transparenteren Fassung erstmals in England und für einmal nicht in Deutschland uraufgeführt wurde! Für die gefühlvolle und sichere Begleitung, welcher bei bestimmten Passagen auch noch kleine Vorspiele am vierhändigen Klavier vorausgingen, konnten mit den beiden virtuosen Pianisten Stefan Baumann und Oliver Fritz zwei temposichere und einfühlsame Künstler verpflichtet werden. Im dritten wie auch sechsten Satz trat in der Person von Marcus Niedermeyr ein ausdrucksstarker Bariton zum Chor, welcher die Fülle an sehr ergreifenden Passagen sowohl musikalisch wie textlich absolut bravourös meisterte. Der fünfte Satz für Sopran-Solo und Chor stand ganz im Zeichen der herrlich strahlenden Sopran-Stimme von Kornelia Eng, die sich in kurzer Zeit auf der internationalen Opernbühne bereits einen ausgezeichneten Namen schuf und mit dem besänftigenden Schlusssatz «Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet» denn auch förmlich brillierte. Auch beim sich allmählich steigernden Finale im siebten Schlusssatz «Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben . . . , denn ihre Werke folgen ihnen nach» kamen die harmonischen Klänge des vierstimmigen Chors nochmals voll zu Tragen und den mehrminütigen stürmischen Schlussapplaus hatten die über alle Massen überzeugenden Akteure wirklich wohlverdient.

Gustav Sigg