Kammerchor Zürcher Unterland  .....   Presseberichte

Pressestimmen zum Konzert im Dezember 2000

Zürcher Unterländer — 18. Dezember 2000

DIELSDORF / Zürcher Kammerchor und «Casals Quartett» in Dietlikon und Dielsdorf

«Aber singen Sie bitte nicht schleppend»

Bülach/Zürich – Der Kammerchor Zürcher Unterland führte zusammen mit dem Orchester Capriccio und fünf Gesangssolisten das Oratorium «Judas Maccabäus» von Georg Friedrich Händel auf.

Konzertfoto
Der Zürcher Unterländer Kammerchor imponierte nicht nur mit seiner Grösse, sondern auch mit seiner Darbietung.

«Musik zu Weihnachten», dieses gesellschaftliche und musikalische Ereignis sorgte am Freitag in Dietlikon und am Samstag in Dielsdorf für volle Kirchen. Zu den beiden Konzerten hatte der Zürcher Kammerchor eingeladen.

Einen imposanten Einblick bieten sie nur schon, wenn sie sich auf den gestuften Podesten positionieren, die fast 100 Sängerinnen und Sänger des Zürcher Unterländer Kammerchors. Alle in Schwarz gekleidet, mit leuchtenden, türkisfarbenen Accessoires — Schals die Damen und Fliegen die Herren. Auch Beat Raaflaub, der für seine Disziplin und seine hohen Ansprüche bekannte Dirigent dieses grossen Chores, bildete da keine Ausnahme.
Die ersten beiden Werke, je eine Motette von Johannes Brahms und Hugo Distler, wurden a cappella gesungen, also ohne instrumentale Begleitung. Die grosse Präzision sowohl in der Intonation als auch in der Dynamik vom ersten bis zum letzten Ton kamen so besonders deutlich zur Geltung. Die Sopranstimmen mit ihrer Leichtigkeit in höchsten Höhen, der wunderbare Schlussakkord bei Brahms, die komplizierte, synkopisch versetzte Rhythmik und die fast humoristische Gestaltung bei Distler überzeugten das Publikum restlos.

Ungewohnte Verhaltenheit

Nach diesem ersten Vokalblock setzten sich die Sängerinnen und Sänger auf die Tribünenstufen und freuten sich gemeinsam mit dem Publikum auf den Auftritt des bekannten «Casal Quartetts». Die vier jungen Streicher spielten die zwei Vivaldi-Konzerte «Il Favorito» und «Il Piacere». Und wie man das erwarten konnte, taten sie das höchst virtuos, durchgestaltet, technisch perfekt.
Doch irgendwie wurde man das Gefühl nicht los, dass die vier Musiker ganz anders spielen könnten: Die eigenartige Leichtfüssigkeit liess Innigkeit schmerzlich vermissen. «Das Beste kommt noch», diese Erwartungshaltung wurde duch die eigenwillig verhaltene Spielweise geweckt. Einzig im zweiten Satz des zweiten Werkes stimmte die Spielart mit dem Charakter des Satzes überein, was allgemein sehr positiv auffiel.

Der Lehrerchor

Der Kammerchor wird oft auch als «Lehrerchor» bezeichnet, weil viele der Sängerinnen und Sänger im Unterland irgendwo in einer Schulstube tätig sind oder zumindest einmal ein Seminar besucht haben. So auch der 1930 geborene Komponist Hugo Dudli, der die «Weihnachtliche Liedkantate» aus 13 international bekannten Weihnachtsliedern für Chor, Soli, Streicherensemble, Oboe und Orgelpositiv arrangiert hatte. Zum Chor durfte sich auch das grosse Publikum in der vollen Kirche Dielsdorf zählen, zumindest bei drei Liedern.
«Aber singen Sie bitte nicht schleppend», bat der Dirigent, und so ertönte «O Heiland, reiss die Himmel auf» in ungeahntem Tempo, um ein bis zwei Takte verschoben gegen den Chor. Aber das war vom Komponisten so gewollt und wurde vom Kammerchor gekonnt umgesetzt. Besonders reizvoll war der Einsatz der Chorsängerinnen und -sänger als Solisten und Solistengruppen. Einzelstimmen, ganz persönlich gefärbt und sehr gut auf ihren Einsatz vorbereitet, gefielen dem Publikum ausserordentlich gut. Herzstück der Kantate war wohl das mittelalterliche, mehrstimmige und mitreissende «Des bin ich froh, froh, froh». Und als Zugabe wiederholte der Chor das wunderbare «The First Nowell».
Nicht nur das Publikum, sondern auch die Chormitglieder bezeichneten beide Konzerte in Dietlikon und in Dielsdorf als erfolgreich und gelungen. In Dietlikon sei es noch etwas weniger ausgereift gewesen. Die höhere Präzision in Dielsdorf musste dafür mit eisigen Temperaturen in der katholischen Kirche verdient werden.

Susanne Franklin

Neues Bülacher Tagblatt — 18. Dezember 2000

Hervorragend interpretierte Musik mit dem brillanten Kammerchor Zürcher Unterland

Ausgezeichnet besuchte Konzerte in Dietlikon und Dielsdorf begeisterten

Der 70-köpfige gemischte Kammerchor Zürcher Unterland unter der charismatischen Leitung von Beat Raaflaub, mit Elisabeth Merz an der Orgel und Cembalo sowie das international renommierte Casal-Quartett plus Zuzüger waren die herzlich gefeierten Akteure von zwei wohlgelungenen Weihnachtskonzerten. Sowohl die vortrefflich besetzte katholische Kirche in Dietlikon als auch die sogar ausverkaufte katholische Kirche in Dielsdorf bildeten am Freitag und Samstag den feierlichen Rahmen zur Einstimmung auf die bevorstehenden Festtage. Einmal mehr wartete der stimmlich glänzend disponierte imposante Chor mit seinen 23 Sopranistinnen, den 24 Altstimmen, den 12 Tenören und den 15 Bässen mit einem überaus anspruchsvollen Programm auf.

Zum ebenso besinnlichen wie feierlichen Auftakt ertönte von Johannes Brahms (1833-1897) dessen Op.29, Nr.2: Motette «Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz» für fünfstimmigen gemischten Chor a cappella, welcher kanonartig angelegt war. Noch aus diesem Jahrhundert stammt der aus einfachen Verhältnissen aufgestiegene Komponist Hugo Distler (1908-1942), zu dessen schöpferischen Höhepunkten die nachfolgende dreiteilige Motette auf die Weihnacht «Singet frisch und wohlgemut» (Op.12, Nr.49) für vierstimmigen Chor a cappella zählt. Während in den ersten zwei Teilen die hohen weiblichen Stimmen dominierten, kamen im abschliessenden Teil vermehrt auch die männlichen Register zum Tragen.

Exzellentes Casal-Quartett

Mit zwei ausgezeichnet interpretierten Violinkonzerten von Antonio Vivaldi (1678-1741) kamen auch die zahlreichen Liebhaberinnen und Liebhaber virtuoser Instrumentalmusik voll und ganz auf ihre Kosten. Während der kreative italienische Komponist vor allem mit seinem wohl bekanntesten Werk «Vier Jahreszeiten» das barockfreundliche Publikum eroberte, repräsentieren die Violinkonzerte «Il Favorito» und «Il Piacere» nicht viel weniger die durchwegs hohe Qualität seiner Musik. Beide Konzerte bestehen jeweils aus drei Sätzen, die grossen Atem und superbe Eloquenz in sich vereinen. Die erste Geigenstimme von Markus Fleck hörte sich speziell in den schnellen Sätzen höchst virtuos an, aber auch die übrigen drei Mitglieder des nahtlos aufeinander eingespielten Casal-Quartetts — Rachel-Rosina Späth (2. Violine), Dominik Fischer (Viola) und Andreas Fleck (Cello) — waren durch eine höchst abwechslungsreiche Begleitung bis hin zur Raffinesse gefordert. Als zusätzliche brillante Streicher wirkten in der subtilen Begleitung noch Dorothée Kappus (Violine) und Moritz Baltzer (Kontrabass) mit. Beide Konzerte zeugten von einem ausgesuchten Wohlklang und durch alle drei Sätze zog sich eine Fülle von Verzierungen, welche für den hohen technischen Stand der verschiedenen Akteure eindrückliches Zeugnis ablegten.

Weihnachtliche Liedkantate im klassischen Stil als Höhepunkt

Das grosse gesangliche Finale basierte auf der 1998 vom heute 70-jährigen, in Weinfelden (TG) geborenen Komponisten Hugo Dudli der Knabenkantorei Basel gewidmeten weihnachtlichen Liedkantate für gemischten Chor und Soli, Streichensemble, Oboe und Orgelpositiv, welche insgesamt 13 feierliche Texte, zum Teil sogar in mehreren Sprachen, beinhaltet. Hier schlug auch die grosse Stunde für das lebhaft mitgehende engagierte Publikum, das sich in den Versen «O Heiland, reiss die Himmel auf», «Das isch de Schtärn vo Bethlehem» und «Herbei, o ihr Gläub'gen» in solventer Art und Weise in den stimmgewaltigen Chor integrierte. Während hier die brillante Organistin Elisabeth Merz für eine makellose Intonation der verschiedenen Vor-, Zwischen- und Nachspiele verantwortlich zeichnete, zog sich neben einer adhoc einführenden Trompetenstimme jeweils das dominante melodische Oboenspiel der virtuosen Judith Buchmann wie ein verbindender roter Faden durch die weihnächtlich stimmende Liedkantate von Hugo Dudli. Unter der bestimmt und souverän führenden Direktion von Beat Raaflaub zog der hochmotivierte Chor während diesen 13 Liedtexten buchstäblich alle Register seines imposanten Könnens, wobei zwischendurch sich einige weibliche wie männliche Talente auch noch als aufhorchen lassende Solistinnen und Solisten profilieren konnten. Angesichts des stürmischen Schlussapplauses kam der gefeierte Chor um eine Zugabe mit der Wiederholung des sehr gefühlvoll gesungenen englischsprachigen Weihnachtsliedes «The first Nowell» nicht mehr herum!

vg.